Glück oder Unglück    -

Vor langer, langer Zeit ordnete der Kaiser von China an, dass seine Untertanen zum Schutz vor den immer wieder ins Reich der Mitte einfallenden Mongolen eine lange, hohe Mauer zu bauen sollen. Genau in dieser Zeit lebte in einem kleinen chinesischen Dorf ein alter Bauer mit seinem Sohn.

Seine ganze Habe bestand aus einem kleinen Stück Land, einem kleine, schon etwas baufälligen Haus und einem alten Ackergaul. Seine Frau war schon vor langer Zeit gestorben, sodass der alte Mann nur mehr einen Verwanden in seiner Näher hatte: seinen etwas 20 Jahre alten Sohn.

Eines schönen Morgens war der alte Bauer wieder einmal zeitig in der Früh aufgestanden, um mit seinem jungen Sohn und dem alten Pferd ein Feld zu pflügen. Doch der Gaul war nicht mehr in der Koppel, und deren Tor stand weit offen. Es wurde offenbar vergessen, es am Abend zu schließen und zu verriegeln.

„So ein Unglück!“ bedauerten die Nachbarn den Bauern. „Was sollen die beiden jetzt ohne Pferd tun? Der Bauer ist schon alt und sein Sohn bestimmt nicht kräftig genug, die Felder allein zu bestellen. Was für ein Unglück!“ Der alte Bauer aber ließ sich nicht von dem Gejammer der anderen Bauern beeindrucken, sondern sagte nur: „Glück oder Unglück – wer weiß’s?“

Gerade als die Sonne am nächsten Tag den Himmel orangerot färbte trat der Sohn des Bauern vor die Haustür und blieb wie angewurzelt stehen: Der alte Gaul war zurückgekommen! Und er war nicht allein, sondern hatte sieben junge Wildpferde mitgebracht, die ihm bis in die Koppel gefolgt waren! Blitzschnell machte der Sohn das Tor zu und verriegelte es. Erst dann rief er seinen Vater.

wer weiß's?

Was für ein Glück!“ riefen die anderen Bauern. "Jetzt hat er acht Pferde und kann ein viel größeres Land bestellen! Er ist nun der reichste von uns allen. Was für ein Glück!“ Doch der alte Bauer erwiderte abermals: „Glück oder Unglück – wer weiß’s?“


Am Tag darauf sattelte der Sohn des Bauern eines der Wildpferde, um es zuzureiten. Doch schon nach wenigen Minuten warf ihn das Pferd in hohem Bogen ab. Der junge Mann stürzte unsanft zu Boden und brach sich ein Bein.

„So ein Unglück!“ jammerten die Nachbarn erneut. Was nützen ihm jetzt die acht Pferde. Ohne die kräftigen Beine und Arme seines Sohnes wird der alte Mann verhungern. Was für ein Unglück!“ Und wieder ließ sich der alte Bauer nicht verunsichern, sondern sagte nur: „Glück oder Unglück – wer weiß’s?“

Drei Tage später kamen die Werber der kaiserlichen Armee und nahmen alle jungen Männer mit, die zum Dienst mit der Waffe tauglich waren. Der Sohn des alten Bauern war nicht dabei und durfte bei seinem Vater bleiben.

„Was für ein Riesenglück!“ riefen die anderen Bauern. „Du bist der einzige im Dorf, der seinen Sohn behalten durfte! In ein paar Wochen wird er wieder gehen und dir bei der Arbeit helfen können. Was für ein Glück für dich!“ Doch der alte, weise Bauer sagte auch diesmal die Worte, die er schon so oft gesagt hatte: „Glück oder Unglück – wer weiß’s?“

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